Deine Kanaren

Wein oder Kartoffeln

Es ist schon 14 Uhr. Mariana ist spät nach Hause gekommen. Schnell muss etwas zum Essen auf den Tisch. Die Kinder kommen bald aus der Schule. Wenn die Tinerfeños vom Essen sprechen, dann sagen sie: „Was gibt es dazu?“ Denn eines ist selbstverständlich. Kartoffeln gibt es immer. „La papa“ darf nie fehlen. Auch wenn man aus dem Kartoffelland Deutschland kommt, kommt man nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Papas arrugadas mit Knoblauchsauce

Mariana kreiert vor meinen Augen wahre Kunstwerke aus den Erdäpfeln. Natürlich kennt sie alle Kartoffelsorten. Knolle ist eben nicht einfach Knolle. So liebenswürdig wie die Tinerfeños mit der Kartoffel umgehen, so liebenswürdig klingen auch ihre Namen. „La Chinegua“ stammt von der englischen Kartoffelsorte „King Edwards“. Auf bestimmten Kartoffelsäcken stand „Out of Date“. Daraus entstand der Name „Autodate“.

Mariana weiß ganz genau, welche Sorte mit Schale oder ohne Schale gekocht wird, oder welche man frittiert oder brät. Eine bestimmte Sorte schält sie und lässt sie wie ein Zebra aussehen. Dazu gibt es gefüllte Zwiebeln. Eine andere füllt sie mit Hackfleisch. Dann reicht sie mir ein Stückchen Kartoffel. Ich soll den besonderen Geschmack dieser Sorte probieren. Ich bin überrascht. Sie schmeckt nach Butter. Mariana lächelt zufrieden. Sie fühlt sich bestätigt, als ich ihr begeistert den besonderen Geschmack mitteilte.

Frischer Rotwein von La Matanza

Aus dem Garten ihrer Schwiegermutter stammt das frische Gemüse. Das kommt ihr gerade heute sehr recht. Heute muss es ja schnell gehen. Das Gemüse wird in reichlich Wasser gekocht. Ein wenig Salz und ein Lorbeerblatt. Das ist schon alles. Das fertige Gemüse kommt neben den Butterkartoffeln auf den Teller. Nun gießt man nur noch ein gutes Olivenöl und ein wenig Weinessig, natürlich von der eigenen Weinlese, darüber. Es ist einfach, es geht schnell und schmeckt himmlisch. Die Kinder und Angel, ihr Ehemann, sind zufrieden. Und ich auch.

Umso erstaunlicher ist es. Dass der Anbau der Kartoffel auf Teneriffa zurückgegangen ist. Trotz verstärkter Alkoholkontrollen der Polizei ist der Weinanbau in der gleichen Zeit um gestiegen. Mein Wein kann man mehr Geld verdienen. Es passiert was in der kanarischen Gesellschaft. Die Welt verändert sich. Es geht sprichwörtlich um die Kartoffel. Auch die Herren der Inselregierung möchten nicht auf ihre Lieblingsspeise verzichten. Es wurde ein Sofortprogramm erstellt. Man will den Anbau des so geliebten Knolle fördern.

Mit Wein und Kartoffeln ist die Welt in Ordnung

Die Alten können sich noch gut an die Weltkriege erinnern. Abgeschnitten von den Kontinenten entstehen schnellstens Versorgungsprobleme. Das darf nicht mehr passieren. Solange es Kartoffeln, Gofio, Ziegenmilch, Wein und Meeresfrüchte gibt, fühlt sich die kanarische Seele wohl. Die großen Supermarktketten tun gut, wenn sie den einheimischen Gemüseanbau fördern. Die Canarios werden es ihnen danken. Wenn man die weiten Transportwege berücksichtigt, ist es auch viel ökologischer. Manchmal kann Vernunft auch ökonomischer, ökologischer, gerechter und gleichwohl auch viel schöner sein.