Deine Kanaren

Längengrad Null

Jose Luis Madariaga als Leuchturmwärter

Von Ernesto Pitter Hein

Im zweiten Jahrhundert nach Christus war die Welt hinter der Insel El Hierro zu Ende. So sieht es zumindest auf der damaligen Weltkarte von Ptolemäus, dem bekanntesten Astronomen und Geographen dieser Zeit, aus. So erhielt auch der Leuchtturm Faro de Orchilla den Beinamen, der Leuchtturm am Ende der Welt.

Durch diesen Leuchtturm wurde in der Zeit von 1634 bis 1883 der Nullmeridian definiert. Das war der damaligen Weltmacht England ein Dorn im Auge. England sollte die Mitte der Welt darstellen. Und das sollten auch alle auf der Weltkarte zur Kenntnis nehmen.

Kurzerhand stahl die Weltmacht sozusagen der kleinen Insel den Meridian.

Patrick Bencomo

Diese Geschichte regte den Regisseur Patrick Bencomo an, ein Drehbuch über dieses Ereignis zu schreiben. Der Film mit dem Titel Zero (Null) erzählt die Geschichte des alten Leuchturmwärters, der sich weigerte den Engländern seinen Meridian zu übergeben.

Jose Luis Madariaga spielt den letzten Leuchtturmwärter, der den Nullmeridian an die Engländer abgeben sollte. Die Mitte der Welt sollte von nun an in Greenwich liegen. Ein Trauma, was noch Heute in der Seele der Inselbewohner Schmerzen bereitet.

Der alte Wächter kämpft in dem Film um die Rückgabe des Nullmeridians und er kann die Schmach des Diebstahls durch die Engländer nicht ertragen und stirbt am Ende des Filmes.

Die Emotionalen Dialoge zwischen dem Vermessungsingenieur und dem Alten geben dem Film die spezielle Würze.

Die Angelegenheit erregte das Mitleid des jungen Ingenieurs und er schenkte dem Alten eine Karte mit seinem Nullmeridian, als er auf dem Sterbebett lag.

Weltkarte von Ptolemäus

Bei dem Film nahm auch ein Team der Filmhochschule von La Guancha/Teneriffa teil, die zu den besten Hochschulen Spaniens gehört.

Der Film erzeugte eine sehr große Zustimmung, vor allem bei der kanarischen Bevölkerung.

Berührt er doch alte Wunden. Die Enkel der Opfer wohnen neben den Enkeln der Täter. Die Canarios fühlten sich immer als Spielball der großen Mächte. Sie wurden von den Spaniern, von den Engländern und wieder von den Spaniern erobert. Europäische Herrenmenschen kamen auf ihre Inseln und machten, was sie wollten. Auch heute sind die Wunden nicht verheilt.

Die Franco-Diktatur ist noch nicht aufgearbeitet worden. Die Enkel der Frankisten versuchen die Offenlegung der Sünden ihrer Großväter zu verhindern.

Viele Sozialisten sind von den Frankisten bis in die 60er Jahre hinein ermordet und einfach irgenwo in den Bergen der Kanaren verscharrt worden. Erst in den letzten Jahren wurden Massengräber ausfindig gemacht, und damit auch ihre Geschichten.

Die zynischen Machthaber aber benutzen die General-Amnestie bei der Demokratisierung, um die Aufarbeitung zu verhindern.

Eine  immerwährende Geschichte der Opferrolle der Canarios.

Trotzdem lassen sie sich ihre Lebensfreude nicht nehmen.