Deine Kanaren

Die Metropole Las Palmas

 

Der Stadtstrand Playa Las Canteras

von Ernesto Pitter Hein

Wenn man die kanarischen Inseln kennenlernen möchte, dann sollte man sich unter die Menschen begeben, von Dorf zu Dorf fahren, aber vor allem sollte man mit dem Schiff von Insel zu Insel schippern.

Wir sind es gewohnt, in den Flieger zu steigen und an einem anderen Ort auf der Welt wieder auszusteigen. Ein Shuttle-Service bringt uns ins sichere Hotel.

Die Landstriche, die Flüsse, die Städte und sogar die Ozeane, die auf unserer Reise liegen, haben wir einfach überflogen. Und wir haben nichts von den verschiedenartigen Gerüchen bemerkt.

Wenn man mit der Fähre im Hafen von Las Palmas ankommt, riecht es nach Öl, nach Diesel und nach Fisch, nach faulem Fisch. So riecht das Tor zur weiten Welt. Manchmal vermischt sich dieser Geruch mit dem Duft von frischem Kaffee. Weltreisende, Seeleute und Hafenarbeiter sitzen in derselben Hafenkneipe.

Viele Einheimische nutzen die Fähre, wie wir einen Bus oder eine Eisenbahn benutzen würden. Sie kommen aus beruflichen Gründen von den anderen Inseln. Oder sie besuchen ihre Familien. Vielleicht studiert ihr Sohn oder ihre Tochter an der Universität Las Palmas.

Andere kommen von den kleinen Inseln und müssen zu einem Spezialisten, da sie unter einer Krankheit leiden, die man nur in der Hauptstadt behandeln kann. So war das schon immer, auch vor vielen Jahren.

Wie die kleine Fatima aus Fuerteventura, die sich vor 40 Jahren ihren halben Finger an einer Tür abgerissen hatte. Das war morgens um 11 Uhr. Sie musste bis Mitternacht warten, bis ein kleines Schiff nach Las Palmas auslief. Der Kapitän hatte Mitleid und überließ ihr und ihrem Vater seine Kabine. Am nächsten Morgen kamen sie im Hafen von Las Palmas an. Mit der Taxe ging es direkt in die Klinik, wo der Finger wieder erfolgreich angenäht wurde.

Einen Notruf gab es noch nicht. Und wenn es einen gegeben hätte, hätte das auch nichts genutzt, denn man hatte ja kein Telefon.

Wenn man im eigenen Ort oder auf einer kleinen Insel nicht weiterkommt, dann muss man in die Metropole der Kanaren, Las Palmas. Hier gibt es, was es an anderen Orten der Kanaren nicht gibt. Alle Behörden, alle großen Firmen haben ihre Zentralen in Las Palmas. Man will mit dem Umschlaghafen verbunden sein. Fast alles, was über die Meere verschifft wird, macht im Hafen von Las Palmas halt.

Der Hafen von Las Palmas ist natürlich immer mit dem Hafen von Santa Cruz der Hauptstadt Teneriffas verbunden. Von Teneriffa werden die Inseln La Gomera, La Palma und El Hierro versorgt.

Die Schnellfähre von Santa Cruz nach Gran Canaria fährt in nur einer Stunde von Insel zu Insel.

Vor Hundert Jahren ging es ging es noch bedächtiger und gelassener zu.

Der Traum der kanarischen Regierung ist, daß die Autobahnen aller Inseln mit den Häfen verbunden sind. Um so den Güterverkehr zu vereinfachen. Ein Lastwagen fährt auf eine Fähre von La Palma auf dem kürzesten Weg zum Norden Teneriffas, legt dort in einem Hafen an, der noch nicht gebaut ist.

Von dort geht es direkt weiter auf eine Autobahn nach Santa Cruz de Tenerife, die auch noch nicht fertiggestellt ist.

Von Santa Cruz geht es dann in den Norden Gran Canarias, und weiter über die schon fertiggestellte Autobahn nach Las Palmas.

Dann wieder mit der Fähre in den Süden Fuerteventuras. Über die noch nicht existierende Autobahn in den Norden nach Corralejos und mit der Fähre nach Lanzarote. Und der Knotenpunkt währe wieder Las Palmas.

Der ein oder andere Seemann bleibt auch schon mal in Las Palmas hängen. Deshalb gibt es hier schon seit Ewigkeiten Asiaten, Afrikaner, Europäer oder Amerikaner. Das macht sich auch im Verhalten der Menschen bemerkbar. Sie sind weltoffener als andere Canarios, die eigentlich provinziell und erdverbunden sind. Auch deshalb ist Las Palmas eine Metropole.

Inder, Marokkaner, Deutsche, Engländer, Koreaner und Japaner leben hier seit Generationen zusammen.

Leider hat die Banken-Krise auch das Stadtbild Las Palmas verändert. Viele Läden mussten schließen und die Gebäude verkommen. Das hält wiederum viele Touristen fern, die lieber in den Strandhotels im Süden Gran Canarias bleiben.

Obwohl der Stadtstrand Las Canteras, der ein wenig an Rio de Janeiro erinnert, einzigartig ist. Hier trifft man sich. Egal zu welcher Uhrzeit. Morgens sieht man die Jogger. Einige praktizieren Tai Chi. Dann erwachen Schritt für Schritt die Cafés. Die Tische werden herausgestellt und man bereitet sich für das Tagesgeschäft vor. Jetzt kommen auch schon die ersten Strandnixen, während andere ihren ersten Kaffee trinken. Mittags sind die Restaurants gefüllt. Geschäftsleute, Einheimische und Touristen vermischen sich. Am Nachmittag gibt’s Kaffee und Kuchen. Sogar deutschen Kuchen, auch wenn der Apfelstrudel meistens mit Rechtschreibfehlern auf der Menu-Tafel steht.

Abends und nachts ist der Strand gut beleuchtet. Viele spielen Fußball bis in die Nacht hinein, während andere meditieren. Und das geht das ganze Jahr über so. Das milde Klima erlaubt es. Nur an wenigen Tagen ist es vielleicht nicht so angenehm, weil es regnet oder weil es stürmt. Aber das ist die beste Gelegenheit, mal die Regenjacke auszuprobieren, während man die großen Wellen beobachtet, wie sie ans Ufer knallen. Ein Schauspiel gibt es immer am Las Canteras Strand. Man beobachtet, und man wird beobachtet.