Deine Kanaren

Der Deutsche Peter Klare bei Leyendecker

von Ernesto Pitter Hein

Die Nummer Eins der spanischen Galeristen Leyendecker hatte mal wieder einen besonderen Künstler ausgegraben. Ausgegraben, obwohl der Künstler nicht das erste Mal bei Angel Luis ausstellte. In den heiligen Hallen seiner Galerie in Santa Cruz kann nicht jeder Maler seine Werke ausstellen. Dann muss man schon einzigartig sein, wie der deutsche Künstler Peter Klare.

Peter Klare wurde 1969 in Jena geboren. 1974 flüchteten seine Eltern mit dem Fünfjährigen und seinen beiden Geschwistern (3 und 6 Jahre) in den Westen. Mithilfe gefälschter Dokumente schafften sie den Irrweg durch verschiedene Ostblockländer und kamen heil in der Bundesrepublik an. 1987 ging die große Reise weiter nach Uruguay. Hier studierte er Malerei bei Professor Hugo Longa. Auch heute spricht er noch ein fehlerfreies Spanisch, obwohl er nur ein Jahr in Südamerika war. Dann ging es wieder zurück auf die Kunstakademie nach München, wo er 1996 ein Stipendium für die Universität Los Angeles erhielt. Sechs Jahre lebte und arbeitete er in den Vereinigten Staaten. Jetzt lebt er mit Frau und Kind in Berlin.

Amerika stimulierte Klare, der eine Gesellschaft hinter sich ließ, wo er keine Unterstützung fand für seine außergewöhnlichen Ideen. Natur und Kultur ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Werke. Spielerisch geht er mit beiden Aspekten um. Er will die Natur mittels seiner Kunst ins Wohnzimmer bringen.

Über sein Werk „Mountain Paintings“ drückt sich Peter Klare in seinem Katalog folgendermaßen aus:

„Es war eine 6wöchige Session in den Wäldern von Kalifornien. Ich schleppte große Leinwände in ein großes wildes Tal, das ich gefunden habe. Es war wunderbar. Ich war alleine mit mir und der Natur. Ich malte jeden Tag unter der heißen Sonne und ich schwitzte viel und war voller Mückenstiche.

Ich verteilte alle Leinwände gleichmäßig in den Bergen. Jede Stelle war speziell und unterschied sich erheblich von den andern.

Wenn ich bei einem Bild blockiert war, machte ich meinen Kopf frei und lief bergauf oder bergab zum nächsten Bild. Und es gab keine Wege oder Pfade.

Am Anfang bewegte ich mich langsam, immer einen großen Stein in der Hand. Ich fand Exkremente von Bären, und ich wusste, dass hier schon andere Menschen von Pumas angegriffen wurden. Danach sprang ich immer wie eine Bergziege durch die Gegend und immer auf der Hut vor den Klapperschlangen. Manchmal kamen Hirsche vorbei, oder kleine Eulen flogen über meinen Kopf hinweg. Ein wenig litt ich mit den herunterfallenden Eicheln, die auf meine Leinwände fielen. Manchmal band ich meine Bilder zwischen die Bäume, damit sie mir Schatten spenden konnten.

Es war ein trockener Sommer. Eine Woche aber musste ich unter starken Regenfällen leiden. Es war kein Sonnenstrahl mehr zu sehen.

Die Farben wölbten sich und die ganze Landschaft wurde plötzlich grün, während sich das Efeu Zinnoberrot färbte. Es war unbeschreiblich schön.“

B.W.: „Erzähl mal, wie kam es dazu? Sechs Wochen alleine in dieser heißen Hölle Kaliforniens?“

Klare: „Ich wollte meine Nachdenklichkeit überwinden, wenn ich male. Man ist in Deutschland gewöhnt, über alles immer mehrmals nachzudenken. Nicht, dass ich dies schlecht finden würde. Aber ich wollte spontan malen, ohne Konzept, aus dem Bauch und aus der Seele heraus. Deshalb bin ich noch mal zurück nach Los Angeles. Während meine Frau und mein Kind dort auf mich warteten, fuhr ich mit meinem ganzen Material in dieses einsame Tal. Ein Tal, wo man mit sich alleine sein kann, aber wo man auch ständig auf der Hut vor wilden Tieren sein muss. Die Ranger kamen mehrmals vorbei, um mich vor Bären und Pumas zu warnen. Geschlafen habe ich auf dem Boden auf einer Matratze, ohne Zelt. Und auf der anderen Seite hat man mit dieser Hitze zu kämpfen, eine mörderische Hitze. In dieser Spannung zwischen einer himmlischen Ruhe und der Naturgewalt habe ich mich spontan auf meine Werke einlassen können.“

Für diese Ausstellung hatte sich Leyendecker etwas Besonderes einfallen lassen. Manuel de los Zancos, ein Vollblut Andaluse, untermalte die überwältigende Wirkung der übergroßen Bilder Klares mit andalusischem Gesang. Er braucht keine Gitarre, auch keine Trommel. Seine Stimme und seine Hände reichen aus, um die ganze Gesellschaft in Stimmung zu bringen. Dazu wurde noch Gaspacho und Cherry gereicht.

Ein gelungener Abend, wie immer bei Leyendecker.