Deine Kanaren

Denkmal für größtes Unglück der Luftfahrt auf Teneriffa

 

Pünktlich zum 30. Jahrestag des größten Flugzeugunglücks der Geschichte wurde ein Denkmal zu Ehren der 583 Opfer errichtet.

Alle Fraktionen des Gemeinderates unterstützten den Aufbau dieses Denkmals. Die Initiative kam von der Stiftung aller Familien, die Opfer dieses tragischen Unglücks wurden, mit Sitz in Amsterdam. Das 24 Meter hohe Denkmal der Künstlerin Jacqueline van Koninggsbruggen soll an die Grenzen der Menschheit erinnern.

Alles lief schief an diesem 27. März 1977. Die 1964 von dem Rechtsanwalt Antonio Cubillo gegründete Unabhängigkeitsbewegung MPAIAC (Movimiento para la Autodeterminacion e Indepedencia del Archipielago Canario) zündete am Blumenstand des Flughafens Las Palmas eine Bombe. Sieben Menschen wurden dabei schwer verletzt. Dies war nur der Beginn der Verkettung unglücklicher Umstände, die zur größten Flutkatastrophe aller Zeiten führen sollte.

Zur gleichen Zeit war ein Jumbo der Pan Am von Los Angeles auf dem Weg nach Gran Canaria. Bei einem Zwischenstopp am Flughafen J.F. Kennedy in New York wurde die 9köpfige Besatzung ausgetauscht und es stiegen 103 Passagiere zu.

Auch ein Jumbo der KLM aus Amsterdam mit 248 Insassen befand sich auf Kurs Las Palmas. Da die Landebahnen wegen des Bombenattentats geschlossen wurden, wurden beide Maschinen, wie auch alle anderen Flüge, nach Teneriffa umgeleitet. Hier nahm das Unglück seinen Lauf.

Der Flughafen Los Rodeos war durch den plötzlich herein tretenden Verkehr total überlastet.

Die Flugzeuge wurden infolgedessen auf jeder nur verfügbaren Fläche abgestellt. Die Pan Am wurde genau neben der Landebahn 12 geparkt. In unmittelbarer Nähe stand auch der Jumbo der KLM.

Die niederländische Crew der KLM stand stark unter Druck. Da die Höchstzahl an Dienststunden für die Crewmitglieder überschritten worden wäre, wollte man den Flughafen noch vor 19 Uhr verlassen.

Nur 15 Minuten nach der Landung der Pan Am wurde der Flughafen in Las Palmas wieder freigegeben. Nach und nach machten sich die Flugzeuge wieder auf zur Nachbarinsel. Sehr zum Missfallen der Crew der Pan Am war ihre Maschine hinter der niederländischen KLM geparkt worden. Die Pan Am konnte demnach nicht starten, solange die Passagiere der KLM-Maschine nicht wieder zugestiegen waren.

Der Kapitän der KLM ließ die Maschine noch betanken, um die Abfertigung auf dem nun ebenfalls überlasteten Flughafen in Las Palmas zu beschleunigen. Diese Verzögerung verärgerte den Kapitän der Pan AM. Er war bereits über 10 Stunden im Dienst. Nun verschlechterte sich auch noch das Wetter im Laufe des Nachmittags. Regen und Nebel verschlechterten die Sicht zeitweise auf bis zu 300 Meter. Gegen 17 Uhr waren beide Maschinen bereit zum Abflug. Da sich inzwischen die Windrichtung veränderte, sind die Besatzungen aufgefordert worden, vom Wartebereich zum anderen Ende der 3,2 km langen Startbahn zu rollen.

Zu diesem Zeitpunkt verschlechterte sich das Wetter so stark, das die Crews der Maschinen teilweise Probleme hatten, die Position beim Rollen zu halten. Die KLM erreichte das Ende der Startbahn, drehte sich um 180 Grad und meldete dem Tower ihre Startbereitschaft.

Ohne die Startfreigabe erhalten zu haben oder vielleicht auch, weil sie fälschlicherweise glaubte, die Starerlaubnis erhalten zu haben, begann die Flugbesatzung der KLM mit dem Start. Gleichzeitig rollte die Pan Am noch entgegengesetzt zum Ende der Startbahn, um die Startbahn so schnell wie möglich zu räumen. Kurz darauf sah die Besatzung der Pan Am die bereits startende KLM-Maschine aus dem Nebel direkt auf sich zukommen. Der Pilot der Pan Am versuchte noch verzweifelt, die Startbahn seitlich zu verlassen, indem er stark einlenkte und vollen Schub gab. Der Pilot der KLM riss die Lenksäule nach hinten und schleifte beim Versuch, die Maschine hochzuziehen, stark mit dem Heck seiner Maschine über dem Boden. Trotz aller Bemühungen beider Besatzungen trafen das Fahrwerk und das äußere Triebwerk der KLM den oberen Teil des Rumpfes der Pan Am und riss ihn fast vollständig ab. Die KLM flog noch etwa 150 Meter, prallte dann zu Boden und verwandelte sich in einen riesigen Feuerball. Aus dem Wrack der Pan Am konnten 70 Insassen befreit werden. Neun davon erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Noch heute wird viel über die Schuld dieses Unglücks diskutiert. Durch die Überlagerung des Funkverkehrs kam es zu erheblichen Kommunikationsproblemen. Der Pilot der KLM Van Zanten erhielt die Freigabe vom Tower. Durfte aber noch nicht abheben.

Auszug aus dem Kommunikationsprotokoll:

Nachdem die niederländische 747 die Startposition erreicht und die 180°-Drehung

vollzogen hat, lockert der Nebel ein wenig auf und die Sicht erreicht ca. 700m. Diese

Gelegenheit möchte der KLM-Kapitän nutzen

17:05:45 (KLM 1. Offizier)

Äh, die KLM … vier acht null fünf ist jetzt bereit zum Abheben …

äh und und wir warten auf unsere ATC Freigabe.

17:05:53 (TENERIFFA TOWER)

KLM acht sieben null fünf äh Sie haben Freigabe zum Funkfeuer Papa

steigen Sie bis und halten Sie Flughöhe neun null Rechtskurve nach dem Start

Weiterflug Richtung vier null bis zum Strahl drei zwei fünf vom Las Palmas Funkfeuer.

17:06:09 (KLM 1. Offizier)

Äh Roger. Sir, wir haben Freigabe zum Funkfeuer Papa Flughöhe neun null Rechtskurve nach

null vier null bis zum Auffassen des drei vier fünf und wir sind jetzt (am Startpunkt ??).

Die KLM-747 erhält die Freigabe, darf jedoch noch nicht abheben. Der Kapitän ist jedoch

in Eile und erhöht die Schubkraft. Er vergisst, dass sich ein anderes Flugzeug nach wie

vor auf der Rollbahn befindet.

17:06:13 (KLM Kapitän)

We gaan. (Wir gehen)

Van Zanten war bekannt als Top-Pilot und war außerdem der bevorzugte Pilot für Auftritte in der Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Flug war einer der ersten, nach seiner Zeit als Fluglehrer. Einige Experten behaupten, dass er im Laufe der Zeit eine Führungshaltung für sich beanspruchte. Dies wird als möglicher weiterer Grund für van Zantens Entscheidung gesehen, die Anweisungen des Towers nicht zu bestätigen.

Gleichzeitig spricht der erste Offizier der Pan Am. Durch Überlagerung der beiden Signale des Towers und der Pan Am hört die Besatzung der KLM nur ein schrilles Rauschen.

17:06:25.6 (TENERIFFA TOWER)

Roger Alpha eins sieben drei sechs, benachrichtigen Sie uns, wenn die Rollbahn frei ist

17:06:29.6 (Pan Am 1. Offizier)

OK, benachrichtigen wenn die Rollbahn frei ist.

TENERIFFA TOWER

Danke

17:06:32.43 (KLM Flugingenieur)

Ist er also noch nicht weg?

17:06:34.1 (KLM Kapitän)

Was sagst Du?

17:06:34.7 (KLM Flugingenieur)

Ist er noch nicht weg, die Pan American?

17:06:35.7 (KLM Kapitän)

Na klar (nachdrücklich)

Der Flugingenieur unterließ es offensichtlich, van Zantens Entscheidungen weiter in Frage zu stellen. Möglicherweise, weil dieser nicht nur einen höheren Rang innehatte, sondern auch einer der fähigsten und erfahrensten Piloten der KLM war.

17:06:40.0

Der Kapitän der PanAm sieht die Landelichter der KLM in ungefähr 700m Entfernung

17:06:41 (Pan Am Pilot)

(schreiend) Er kommt… schau doch… dieser Hurensohn kommt …

Noch heute werden die zahlreichen Fehlentscheidungen vieler Beteiligten des Unglücks bei der Ausbildung der Piloten behandelt.

Am 8. April 1978 wurde Cubillo in seinem Exil in Algier von spanischen Geheimagenten angeschossen, nachdem 3 Tage zuvor eine Bombe im Regierungsgebäude von Las Palmas explodierte.

Ein Monat vorher starb der Polizist Valdenebros, als er versuchte, eine Bombe in La Laguna zu entschärfen. Danach distanzierten sich die Freiheitskämpfer von der Gewalt. Am 19 August 1985 kehrte Cubillo auf Krücken zurück, arbeitete wieder als Anwalt in Santa Cruz und gründete die Partei CNC, die aber nur wenige Stimmen bei den Wahlen erhielt.