Deine Kanaren

Arico: christlich, kanarisch und mit einem Hauch von Afrika

Es geht ruhig zu im Rathaus von Arico im Süden Teneriffas. Die Autobahn ist fern. Nur wenige kommen auf die Idee, die Ausfahrt Arico zu nehmen, um durch die Wüstenlandschaft ins Ungewisse zu fahren. Von der Autobahn sieht man nur Sand und Steine. Wenn man schon abfährt, dann doch lieber ans Meer. Aber es lohnt sich. Arico ist mit 178 Quadratkilometern die zweitgrößte Gemeinde Teneriffas und hat einiges vorzuweisen. Schon die Guanchen lebten in den Tuffsteinhöhlen von Arico. Dort hatten ihre Ziegenherden genug zu fressen. Nur im Winter zogen sie mit ihren Tieren an die Küste. Das saftige Gras war eine reichhaltige Abwechslung auf dem Speisezettel der genügsamen Vierbeiner.

Kirche in Arico

Das Klima ist angenehm in Arico. Auch im Sommer sorgt eine ständige Brise für eine guttuende Abkühlung. Vielleicht ist es die Mischung von einem freundlichen Klima verbunden mit der Wüstenlandschaft, die alle Menschen in eine friedliche Stimmung bringt. Wer immer den Horizont sehen kann, hat möglicherweise auch einen anderen Horizont. Hektik und Stress hat es hier noch nie gegeben. Auch der Guanchenkönig zog 1564 einen Friedensvertrag mit den Spaniern einer gewaltsamen Auseinandersetzung vor. Er unterschrieb mit dem spanischen Vertreter Diego Garcia Herrera den Vertrag von Bufadero und konnte so die unwürdige Versklavung seiner Leute verhindern.

Tuffsteinhöhle von außen

Ihr Land verteilte Alonso Fernandez de Lugo in typischer Siegermanier unter den spanischen und portugiesischen Eroberern. Ihr Interesse an dem Land war anfangs nicht besonders groß. Auch sie beschränkten sich erst einmal auf die Zucht von Ziegen und Schafen. Bald begannen sie mit der Abholzung der Wälder. Das Holz verkauften sie nach Europa und an die Schiffsbauer. Auch bis heute hat die Region ihren landwirtschaftlichen Charakter nicht verloren.

In der Höhle

 

Die Weinberge gehören zu den höchsten Europas. Noch bis auf 1750 Metern Höhe kann durch den guten Boden und die vielen Sonnentage Wein angebaut werden. Die Weine der großen Weingüter haben schon viele Preise gewonnen und werden auf dem internationalen Markt angeboten. Ansonsten werden Tomaten und Paprika nach Europa exportiert. Auf den Kanaren ist Arico wegen ihrem Käse bekannt. Der Käse von Arico wird in allen Supermarktketten der Kanarischen Inseln angeboten.

Kochen in der Höhle

 

 

 

Außer ein paar Zimmern am Strand werden den Touristen mehrere Landhäuser angeboten. Bei der Gemeinde in Villa de Arico wird man sehr gut informiert. Myrna Vaele vom Touristenbüro spricht ein perfektes Deutsch. Sie ist auch gerne bereit jedem Interessenten alles über die Sehenswürdigkeiten der Region mitzuteilen.

christliche Wurzeln

Das Christentum hinterließ schnell seine Spuren. Schon 1602 begann die christliche Gemeinde mit dem Bau der Kirche des heiligen Johannes. Sie steht seit 1985 gemeinsam mit dem alten Stadtkern unter Denkmalschutz. Der Steinboden ist aus ortsansässigen Steinbrüchen. Die Steinplatten wurden auch nach Amerika und Afrika exportiert. Neben dem heiligen Johannes fand hier auch die Jungfrau von Abona ein Zuhause. Sie wurde von Fischern 1722 am Strand von Abona aufgefunden. Seit 1961 wird die Mutter Gottes alle fünf Jahre von der Kirche aus in einer großen Prozession an den Strand gebracht. Die anderen Jahre wird eine Fackel von Ort zu Ort der Gemeinde Arico gebracht. Das Fest gehört zu den meist besuchten Festen Teneriffas.

Stolz blicken die Einwohner auf den ersten Flugplatz Teneriffas zwischen Villa de Arico und Poris de Abona zurück. Hier landete im Januar 1924 das erste aus Spanien kommende Flugzeug. Jose Domingo von Radio Arico möchte den Ort bei den Menschen bekannt machen. Als studierter Historiker hat er viel von der Region zu erzählen. Auch ein deutschsprachiges Programm gehört dazu. Die Tuffsteinhöhlen (einige wurden zu exklusiven Wohnungen ausgebaut), Kletterwände, Wanderrouten, die historische Architektur bis hin zum Strand sind nicht die einzigen Highlights für Besucher. Ein Urlaub in Arico gehört zu der besonderen Art. Ausspannen in einem Ambiente der Ruhe. Hier sind die Gedanken noch klar. Es gibt keine Ablenkung. Außer dem guten Wein und dem guten Essen. Wenn es kein Urlaub sein kann, dann nehmen sie sich Zeit für einen wunderschönen Ausflug. Es lohnt sich.